Wände

Was steckt in deiner Wand? Ständerwerk, Dübel und versteckte Leitungen vor dem Bohren

Wie du eine Wand einschätzt, bevor du ein Loch hineinbohrst: Wandarten, Ständerabstände, Installationszonen und passende Dübel.

Eine Hand hält einen Nagel an eine weiße Wand, der Hammer ist zum Einschlagen erhoben

Fast jedes Heimwerkerprojekt an der Wand beginnt mit derselben Frage: Was steckt da eigentlich drin? Die Antwort entscheidet, welchen Bohrer du brauchst, welcher Dübel hält und ob dort eine Leitung oder ein Rohr verläuft, das du auf keinen Fall treffen willst. Ein paar Minuten Detektivarbeit am Anfang ersparen dir hinterher eine Menge Spachtelarbeit.

Die drei Wandarten, denen du wahrscheinlich begegnest

Gipskarton auf einem Ständerwerk. Typisch für Trennwände im Innenausbau und in neueren Gebäuden (Gipskarton-Ständerwände, umgangssprachlich oft „Rigipswand“). Beim Klopfen klingt die Wand hohl, außer dort, wo dahinter die Holz- oder Metallständer sitzen. Die Platte selbst hält nur geringe Auszugskräfte aus, deshalb gehören schwere Lasten in die Ständer oder an Hohlraumdübel.

Massives Mauerwerk oder Beton. Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton oder Beton, meist verputzt. Die Wand klingt überall dumpf und massiv. Mit einem Steinbohrer gebohrt und mit dem passenden Dübel versehen, trägt sie Lasten sehr gut – das Bohren kann aber staubig und mühsam sein.

Putz auf Holzlatten (Altbau). Kommt in vielen älteren Häusern vor: dünne Holzlatten oder Schilfrohrmatten, auf eine Unterkonstruktion genagelt und verputzt. Der Putz kann rund um den Bohrer reißen oder bröckeln, und die Latten können eine Schraube ablenken. Hier zahlt sich Geduld aus – und es lohnt sich, die tragenden Hölzer zu finden.

Der Klopftest und der Nadeltest

Klopf mit dem Fingerknöchel die Wand entlang und rück dabei jeweils ein paar Zentimeter weiter. Hohle und massive Stellen klingen deutlich unterschiedlich, und bei Gipskartonwänden hörst du oft alle 40 bis 60 cm einen festeren Ton, wo ein Ständer sitzt. Markier diese Stellen mit Malerkrepp.

Zur Kontrolle drückst du eine dünne Nadel oder einen kleinen Nagel an einer Stelle in die Wand, die später von deinem Regal oder Bild verdeckt wird. Stößt sie nach kurzer Strecke auf festen Widerstand, hast du wahrscheinlich Holz gefunden. Geht sie leicht durch, bist du zwischen zwei Ständern.

Das Ortungsgerät richtig einsetzen

Elektronische Ortungsgeräte erkennen Veränderungen in der Materialdichte. Sie arbeiten am zuverlässigsten, wenn du sie an einer Wandstelle ohne Ständer kalibrierst und dann langsam und flach über die Oberfläche führst. Markier beide Kanten jedes Ständers, sobald das Gerät sie anzeigt, und dann die Mitte dazwischen. Schraub in die Mitte, nicht an die Kante.

Ein starker Magnet an einer Schnur ist eine überraschend wirksame Alternative, besonders bei älteren Wänden. Zieh ihn langsam über die Oberfläche – er wird von den Schrauben oder Nägeln angezogen, mit denen Platten oder Latten an den Ständern befestigt sind. Eine senkrechte Reihe solcher Punkte zeigt meist einen Ständer an.

Sichere Bereiche und Gefahrenzonen

Leitungen und Rohre liegen nicht zufällig in der Wand. In Deutschland verlaufen Elektroleitungen meist in festgelegten Installationszonen – senkrecht und waagerecht zu Steckdosen und Schaltern. Verlassen kannst du dich darauf aber nicht, vor allem in Altbauten. Als allgemeine Richtschnur gilt: Sei besonders vorsichtig

  • direkt über und unter Steckdosen, Schaltern und Leuchtenanschlüssen, wo Leitungen meist senkrecht verlaufen
  • in waagerechten Streifen auf Höhe von Steckdosen und Schaltern
  • direkt über, unter und hinter Wasserhähnen, Heizkörpern und WCs, wo Rohre verlaufen
  • in der Nähe von Raumecken und dicht unter der Decke, wo Leitungen verlaufen können

Viele Ortungsgeräte haben einen Modus zum Aufspüren stromführender Leitungen, und auch spezielle Leitungssucher können helfen. Sieh sie als zusätzliche Kontrolle, nicht als Garantie. Wenn du dir unsicher bist, was hinter einer Stelle liegt, setz deinen Dübel ein Stück versetzt.

Wenn du etwas triffst

Wenn die Bohrmaschine plötzlich ruckt, auf Metall trifft oder du Wasser oder Funken siehst, hör sofort auf. Schalte die Sicherung aus oder dreh das Wasser ab und fass die Stelle nicht an. Jetzt ist der Moment, eine Elektrofachkraft oder einen Sanitärfachbetrieb zu rufen, statt selbst nachzuforschen.

Dübel nach Wand und Last auswählen

BefestigungGeeignet fürHinweise
Bilderhaken mit schrägem Nagelleichte Bilder an den meisten Wändenwinziges Loch, leicht zu verspachteln
Kunststoff-Spreizdübelmassives Mauerwerk und Betonspreizt sich im festen Material; in Gipskarton kaum Halt
selbstbohrender Gipskartondübelleichte bis mittlere Lasten in Gipskartonschnell gesetzt; zulässige Last prüfen
Metall-Hohlraumdübel oder Kippdübelschwerere Lasten in Gipskartonverteilt die Last hinter der Platte
Holzschraube in den StänderRegale, Spiegel, Hängeschränkestabilste Lösung bei Ständerwänden

Egal, wofür du dich entscheidest: Lies die zulässige Last auf der Verpackung und bleib deutlich darunter. Denk daran, dass ein Regal mehr trägt als nur sich selbst – Bücher, Pflanzen und ab und zu jemand, der sich dagegen lehnt, summieren sich.

Ordentlich verstautes Handwerkzeug auf Holzregalen an einer Wand
Regale, die richtig Gewicht tragen, gehören an Ständer oder an Dübel mit ausreichender zulässiger Last.

Sauber bohren

Ein Streifen Malerkrepp über der Bohrstelle verhindert, dass der Putz ausbricht, und du kannst darauf anzeichnen. Ein zweiter, unter dem Loch zu einer Tasche gefalteter Streifen fängt den Staub auf. Bohr langsam an, damit der Bohrer greift, halte die Maschine gerade und nutze die Schlagbohrfunktion nur bei Mauerwerk und Beton. Markier die Bohrtiefe mit Klebeband am Bohrer, damit du nicht tiefer bohrst, als der Dübel es braucht.

Wenn du die Wand kennst, den Ständer markiert und die Befestigung ausgewählt hast, ist das eigentliche Bohren der schnelle Teil. Unsere Checkliste zum Aufhängen von Regalen und Bildern fasst all das in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zusammen, die du ausdrucken und mit an die Wand nehmen kannst.

Passende Checklisten

Setz das mit unseren Projekt-Checklisten in die Praxis um: Werkzeug, Vorbereitung und Arbeitsschritte auf einer druckbaren Seite.